Die iPod Geschichte
Sucht man im Internet heute nach dem Begriff “iPod” spuckt die populärste Suchmaschine derzeit rund 324.000.000 Treffer aus. Der iPod ist heute nicht mehr einfach nur ein MP3-Player mit ein bisschen Video, Spielen und einem Online-Store. Er ist ein Kultobjekt - eins, an dem kaum einer vorbei kommt. Aber wie fing alles an?
Um alles zu verstehen, muss man etwas weiter ausholen.
Die Rückkehr nach Apple

1985 verließ Steve Jobs, der Mitgründer von Apple, nach Machtkämpfen mit dem damaligen CEO John Sculley die Firma.
11 Jahre später schrieb Apple Verluste, der Aktienpreis sank von 60$ auf nur 17$, die Produktpalette war kompliziert und man besaß kein geeignetes, modernes Betriebssystem für seine Computer. Und eben das brauchte man, um wieder Macs zu verkaufen. Mehrere Optionen standen offen: Windows (ja tatsächlich
Bill Gates selbst bot es an), BeOS, SunOS und NeXt Step ( entwickelt von Steves neu gegründeter Firma). Technisch gesehen war BeOS die beste Wahl, aber man musste noch einiges daran verändern, um es den Kunden zumuten zu können. NeXt Step kam bei einer Punkteaufstellung auf Platz 1 gefolgt von BeOS.
Nach einer Vorstellung der Betriebssysteme vor einem Gremium wurde NeXT am 20.Dezember 1996 für 400 Millionen $ gekauft. Steve kehrte als CEO zurück und sollte Apple aus dem Dreck ziehen.
Als erstes stand die Zusammstreichung der Produktpalette auf seinem Sanierungsplan. Die unnötige Vielzahl der Produkte hatte Kunden verwirrt. Auch der Newton wurde nicht mehr produziert. Der PDA mit Schriffterkennung war immerhin ein Produkt von Sculley und das gefiel Jobs nicht.
Danach strich er die Projekte zusammen, die in der Entwicklung waren. Er ging zu den einzelnen Gruppen, schaute sich deren Entwicklungen an und schlußendlich rief er die Ingenieure zu sich und fragte: “Was ist schlecht an diesem Produkt?” Als alle nur entsetzt guckten antwortete er selber “Das ist alles Schrott!”. So wurden aus 50 Projekten 10 gemacht.
Aber auch das Erscheinungsbild von Apple bei Kunden und eigenen Mitarbeitern sollte sich ändern. Steve sah Apple nicht als ein untergehendes Unternehmen an, das lediglich einen Marktanteil von 2% besaß, sondern das eben diese 2% berühmte Denker, Künstler und Persönlichkeiten waren und Apple für diese Leute stand. Als Anspielung auf IBMs Kampagne “Think” startete Apple eine Kamapgne mit dem Slogan “Think different”.
Im Mai 1998 stellte Apple dann den bunten und “coolen” iMac vor. Mit seinem modernem Aussehen war er der erste Computer, der die Jugend fesselte. In den ersten 45 Tagen verkaufte Apple 300.000 Stück.
Die digitale Musikrevolution
Etwa zur gleichen Zeit entwickelte Shawn Fanning, Student an der von Uni Boston, die Software Napster, benannt nach seinem eigenem Nicknamen im Netz. Damit war es möglich über das Internet Musik zu tauschen und herunterzuladen - kostenlos. Nach dem 1. Monat hatte Napster 10000 Nutzer - nach 1,5 Jahren waren es schon über 60 Millionen Nutzer weltweit. Als die Musikindustrie, recht spät, die Gefahr erkannte, wurde Napster weggeklagt. Aber eins konnte nicht gestoppt werden: die digitale Musikrevolution.
Apple und Steve erkennen schon jetzt: Musik im Internet ist die Zukunft.
Da es noch kein Programm zur Verwaltung von Musik auf dem Mac gab, wurde die Software SoundJam von ehemaligen Apple-Mitarbeitern umprogrammiert und diese dann schlußendlich iTunes genannt. Steve stellte iTunes auf der Macworld im Januar 2001 vor. Es war schick und einfach in der Handhabung, eben so wie es Steve mochte.
Allerdings wollten die Nutzer beim Musik hören nicht an ihren Mac gefesselt sein, sie wollten sie überall hören. Das erkannte auch Apple und warf einige Blicke auf den Markt für MP3-Player. Die bisherigen Produkte waren schwer, kompliziert in der Bedienung, teuer und unbekannt.
Der erste iPod
Anfang 2001 hatte der selbstständige Ingenieur Tony Fadell den Plan in den Markt für MP3-Player einzusteigen. Sein Produkt sollte eine Festplatte enthalten und Songs aus einem Online-Store beziehen können. Apple stand vor der Wahl: Solle man sein bisheriges Projekt übernehmen oder in jahrelanger Entwicklungsarbeit ein eigenes Produkt entwerfen? Man entschied sich für die erste Variante und wie Steve nunmal war, stellte er einen extrem engen Zeitplan auf: In nur 9 Monaten sollte der iPod fertig sein, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.
Die Entwickler arbeiteten rund um die Uhr, auch an Samstagen und sogar Sonntagen. Aus den wöchentlichen Meetings wurden zum Ende hin tägliche, an denen Steve selbst teilnahm. Er begutachtete die bisherige Entwicklungsarbeit, schlug Verbesserungen bei der Bedienung und der Soundqualität vor.
Nach 6 Monaten war man fertig und startete die Produktion, als man feststellte, dass es ein Problem mit der Batterie gab. Nach 3 Stunden schaltete sich der iPod einfach aus, egal ob er benutzt wurde oder nicht. So verstrichen 8 weitere Wochen bis man das Problem ausgemerzt hatte und der fertige iPod der ersten Generation in die Produktion gehen konnte.
Steve schickte Mails mit dem Hinweis “Es ist kein Mac!” an Journalisten. Am 23.Oktober 2001 war es dann soweit: Der iPod wurde der Presse gezeigt. 5 Gigabyte - 1000 Songs - passt in jede Hosentasche - Akku & Musik wird über den Firewire-Anschluss geladen. Im März 2002 wurde eine 10 Gigabyte Version nachgelegt. Das ist die Kurzfassung der Features.
Ganz kurz am Rande möchte ich noch diese kleine Sache erzählen, die ich im Discovery Channel Bericht (s. Ende des Beitrages) gesehen habe : Nach der Einführung des iPods aß Bill Gates mit einigen Leuten in einem Restaurant und eben einer dieser Leute hatte seinen neuen iPod dabei. Bill betrachtete hin, probierte ihn aus und fragte mit leuchtenden Augen: “Und das ist nur was für Macintosh?”. Das verdeutlicht doch, wie stark der iPod schon damals die Menschen begeistert hat.
Apple hatte sich zwar keinen günstigen Zeitpunkt für die Einführung des neuen MP3-Players ausgesucht. Napster war weggeklagt worden, seit einem Jahr gab es ein Sterben der Technologiefirmen im Silicon Valley und der 11.September hatte das ganze Land erschüttert, doch der iPod konnte und hatte etwas, was es sonst noch nicht gab. Er synchroniserte ohne Umstände und Probleme mit iTunes, er war stylisch und dank der loyalen Nutzer wurden schon nach 2 Monaten 125 000 Stück verkauft.
Apple-Jünger versammelt euch
Die weißen Kopfhörer sah man bald an jeder zweiten Straßenecke, sie wurden zum Erkennungszeichen der Apple-Jünger. Daran angelehnt gab es dann von Apple die Werbung mit den schwarzen Leuten und den weißen Kopfhörern. Dabei hatte man anfangs die Kopfhörer nur weiß gemacht, damit sie auch zum iPod passen und nun waren sie ein marketingtechnisches Instrument geworden.
Die Musikindustrie versuchte unterdessen mit Abo-Modellen ihre Musik unter die Leute zu bringen. So richtig kam das aber nie an. Steve war eins klar: Er wollte ein in sich geschlossen Kreis bilden. Musik im iTunes Store kaufen - in iTunes verwalten - auf den iPod überspielen und hören. Der Apple-Prediger wollte einzelne Songs für 99 ct verkaufen, die Musikindustrie und Künstler wollten allerdings nur ganze Alben hergeben. So lud Steve die Band U2, die auch keine einzelnen Songs verkaufen wollten, ein und überzeugte sie von seiner Idee. Sie wurden zu den größten Verfechtern des iPods.
Am 28.April 2003 startete der iTunes Music Store in den Vereinigten Staaten. Mit den 200 000 erhältlichen Songs der 5 größten Plattenfirmen verkauften sich in den ersten 5 Tagen über 1 Millionen Songs. Inzwischen war man bei der 3.Generation von iPods angekommen und man gab iTunes für Windows frei. So konnten erstmals Windows-Nutzer iPods verwenden.
(Steve Jobs - Der Mann der Apple mitgründete, verließ und rettete)
18 Monate nach der Einführung der ersten iPods setzte man schon 700 000 davon ab.
2005 gab man die mittlerweile 5.Generation des iPods bekannt. Er konnte erstmals auch Videos abspielen.
In nur 5 Jahren verkaufte man über 70 Millionen iPods, erwirtschaftete 5 Millarden (was 40% des Gesamtgewinnes von Apple entsprach) und hatte in den USA einen Anteil von rund 75% im Markt für digitale Musikplayer. Nebenbei hatte sich eine ganze Industrie für iPod-Zubehör geschaffen. Selbst große Hersteller anderer Bereiche erkennen den Wert der iPods: So können bestimmte Nike-Schuhe ihre Daten der Laufweite, Geschwindigkeit etc. an den iPod übertragen und dieser dann an den PC/Mac, um die Daten auszuwerten oder auch die Autohersteller, die zum Teil eine integrierte Docking-Station mit verbauen.
Weg mit Tasten & Knöpfen
2007 gab es die nächste Revolution. Steve Jobs stellte das iPhone vor, wenige Monate später gab es den ersten iPod mit Multitouch-Technologie: der iPod Touch. Er besitzt als erster iPod WLAN, so kann man im Internet surfen, Mails,Aktien & das Wetter abrufen und online über den iTunes Wi-Fi Music Store Musik kaufen.
Verkaufte iPods weltweit
| Jahr | Verkaufte iPods bisher |
| Juni 2004 | 700 000 |
| Ende 2005 | 42 000 000 |
| September 2006 | 60 000 000 |
| April 2007 | 100 000 0000 |
Entwicklung im iTunes Store - Verkaufte Songs, Musikvideos & TV-Sendungen
| Jahr | … Anzahl der verkauften … | Informationen |
| Juli 2004 | 100 Millionen Songs | |
| Juli 2005 | 500 Millionen Songs | |
| Februar 2006 | 1 Milliarde Songs | |
| Januar 2007 | 2 Milliarden Songs | |
| Juli 2007 | 3 Milliarden Songs | |
| Februar 2008 | 4 Milliarden Songs | |
| Oktober 2005 | 1 Millionen verkaufte Musikvideos | |
| Dezember 2005 | 100 Millionen Songs in Europa | |
| August 2006 | 200 Millionen Songs in Europa | |
| Juni 2007 | 50 Millionen TV-Sendungen und 1,3 Millionen Spielfilme (USA) | seit April 2008 auch TV-Sendungen im dt. iTunes Store |
iPod classic
iPod Mini & Nano
iPod Shuffle
| Generation | Jahr | Informationen & Besonderheiten |
| 1. Generation | Januar 2005 | 512 MB und 1 GB, kein Display |
| 2. Generation | September 2006 | 1 und 2(seit Februar 2008) GB, Clip, kein Display, klein und nur 15g “schwer”, seit September 2007 in versch. Farben erhältlich |
Das war die Geschichte des iPods. Der MP3-Player der bis heute nicht mehr wegzudenken ist. Kaum einer kennt die MP3-Player von Creative, Philips, Sony oder Samsung mit Namen. Nur den iPod, den kennt jeder.
Wo kann ich mehr über Steve & Apple erfahren? Dazu empfehle ich dir das Buch (oder Hörbuch bei Audible) “Steve Jobs: und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens“.
Der iPod Stammbaum (bis 2007)
Quellen
- Beitrag vom Discovery Channel
- Apple.com
- Wikipedia
Weiterführende Links
- Discovery Channel Beitrag “iPod History” (englisch)
- Apple.de iPods
(Artikel vom 25.Mai 2008, u.U. gibt es bereits neue iPods)
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1. Juni 2008 um 02:21
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